T02 Gebetsmühlen und Gebetsfahnen
Gebetsmühlen
alternativ auch schon mal
Durch das Drehen der Gebetsmühlen sollen im tibetischen Buddhismus körperliche Aktivität und geistig-spirituelle Inhalte miteinander verknüpft werden; damit sollen auch einfachste körperliche Handlungen, wie das Drehen einer Gebetsmühle, in den Pfad zur Erleuchtung integriert werden. Es wird so ein gutes Karma angehäuft.
Bei der Drehung der Gebetsmühle soll es Wunsch sein, dass alle in der Walze befindlichen Mantras durch die Drehung zum Wohle der fühlenden Wesen wirken, deren Leid beseitigt und ihnen Glück gebracht wird.
Eine weiterführende Motivation besteht darin, dass alle darin enthaltenen Mantras während des Drehens Licht zu allen fühlenden Wesen ausstrahlen, deren Leid beseitigen und schlechtes Karma auflösen.
Eine fortgeschrittene, sich der höchsten Sichtweise des Buddhismus annähernde Praxis des Drehens einer Gebetsmühle liegt darin, während des Drehens der Gebetsmühle sich darauf zu konzentrieren, dass sowohl der Drehende als auch die Handlung des Drehens und die sich drehende Gebetsmühle, samt den darin enthaltenen Mantras und Gebeten, untrennbar von einer in ihrem Ursprung „nichtdualen Natur“ sind – alles ist letztlich eins.
Gebetsfahnen
Gebetsfahnen sind besondere Merkmale im tibetischen Kulturraum. Der tibetische Begriff „rlung rta“ (ausgesprochen „lungta“) bedeutet zu deutsch „Windpferd“. Der Begriff spiegelt demnach wieder, was mit den bunten Fahnen symbolisch bezweckt wird. Die auf den jeweiligen Fähnchen bedruckten Gebete in Form von Mantras sollen mithilfe des Windes dem Himmel zugetragen werden.
Dazu werden die Fahnen im freien aufgehängt und bis zu ihrer vollständigen Verwitterung dem Wind ausgesetzt. Erst so „erreichen“ die Gebete den Himmel. Besonders auf Bergpässen und Berggipfeln sind diese im Himalaya oft vorzufinden.
Nichts ist bei den Gebetsfahnen dem Zufall überlassen. Hinter dem bunten Chaos steckt viel Symbolik. Die Gebetsfahnen sind immer – sofern die Symbolik der Farbe verwendet wird – in einer Reihenfolge von fünf Fähnchen in den Farben Blau, Weiß, Rot, Grün und Gelb!
Jede Farbe steht für ein explizites Element der Welt. Blau symbolisiert den Himmel, Weiß symbolisiert die Luft, Rot steht für das Feuer, Grün steht für das Wasser und Gelb verkörpert das Erdelement.
Selbst die Zahl fünf trägt eine wichtige Symbolik im tibetischen Buddhismus in sich. Sie verkörpert das Zentrum und die vier Himmelsrichtungen, von denen es ausgeht.
Auf den Gebetsfahnen selbst sind buddhistische Symbole sowie Gebete bedruckt. Häufig kommt dabei das bedeutendste tibetische Mantra „Om Mani Padme Hum“ in ihnen vor. Im tibetischen Buddhismus steht das Mantra „Om Mani Padme Hum“ als Ausdruck der grundlegenden Haltung des Mitgefühls gegenüber allen Lebewesen.
Oft ist auf den jeweiligen Fähnchen auch das tibetische Windpferd selbst mit abgebildet. Mithilfe der Windpferde sollen die Gebete noch wirksamer gen Himmel getragen werden.
In den vier Ecken der rechteckigen Fähnchen befinden sich auch häufig weitere Tiersymbole. Diese sogenannten Symboltiere verkörpern die vier Himmelsrichtungen und umrahmen das Windpferd im Zentrum – wieder einmal die Zahl 5.
Die vier Symboltiere sind der Garuda (halb mensch-, halb adlergestaltiges Reittier), der Drache, der Tiger und der Schneelöwe.
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